Brasiliens Nordosten
Teil 4: Ceará
Auch in Ceara geht es dank des von den Kitesurfern so geliebten Passatwinds flott voran. In vielen Dörfern werden hier Standbuggy-Touren angeboten. Die Flussquerungen sind somit überhaupt kein Problem mehr, da an jedem Flüsschen improvisierte Holzflosse als Buggy-Fähren bereitstehen. Eine laute Hupe am Fahrrad wäre hierbei nicht schlecht, um den Fährmann am anderen Ufer wachzuhupen. Ich haben aber nicht einmal eine Fahrradklingel. Da hilft dann nur: rüberschwimmen, den Fährmann suchen und - nachdem man meistens in der nahegelegenen Strandbar fündig wird - ein kaltes Bier trinken, während der Fährmann das Fahrrad abholt.
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Im Canoa Quebrada schaffe ich dann endlich, von einem Schweizer Surflehrer zu einem halbwegs vernünftigen Preis eine komplette Kitesurf-Ausrüstung auszuleihen. Da bleibe ich gleich ein paar Tage und geniesse die Annehmlichkeiten dieses gepflegten Touristenortes.
Fortaleza ist dann auch nicht mehr weit, ein paar Kilometer weiter nördlich liegt das Kitesurfer-Paradies Cumbucu, wo ich erneut tagelang Pedale gegen Surfbrett eintausche.
Dann geht es auf zum "Endspurt": die 350 Kilometer von Fortaleza nach Jericoacoara. Auf halber Strecke gibt es neben etlichen Flüssen auch wieder Mangrovengebiete zu durchqueren, ich hatte nach all den „Autobahnstränden“ schon fast vergessen dass es sowas auch noch gibt. Die Buggydichte lässt wieder spürbar nach, und somit muss ich an den Flussquerungen auch wieder improvisieren.
Und 40 Kilometer vorm Ziel wäre ich dann fast noch gescheitert: Dort gibt es im Mündungsgebiet des Rio Aracaú ein riesiges Wattengebiet. So, ich frage einen Fischer, ob er mich mit seinem Motorboot (natürlich gegen Bezahlung) ganz rüber ans andere Ufer bringen könne. Aber es ist gerade Ebbe und da meint er, nö, das wäre gar nicht nötig, er fährt mich jetzt da über den Fluss rüber und dann könne ich problemlos durchs Watt bis zum Strand weiter. Na, das klingt doch nicht schlecht, also los geht’s.
Ich bedanke mich noch artig fürs rüberbringen und radle durch die Matsche Richtung Strand. Aber hmmmm, was ist denn das? Da tut sich doch erneut ein Gewässer vor mir auf. Noch ein Fluss, dieses mal gut 300 Meter breit. Ja so ein Mist. Weit und breit kein Mensch zu sehen, ich versuch über eine Stunde lang, irgendwo einen Weg rüber zu finden, ist aber viel zu tief und ne ziemliche Strömung. Das Wasser fängt auch langsam wieder an zu steigen und da denk ich mir, fahr ich doch lieber zurück ans Ufer. Aber Holla, nach einem halben Kilometer Richtung Ufer stelle ich fest, das das gar kein zweiter Fluss ist, sondern lediglich ein Seitenarm des ersten. Und ich sitze hier mit meinem Fahrrad mitten auf einer Sandbank im Meer fest!! In der prallen Sonne, ohne Trinkwasser und bei auflaufender Flut!! So was bescheuertes.
Naja, denke ich mir, bevor ich hier absaufe schieße ich noch schnell ein Abschiedsfoto von meinem Fahrrad, schwimme rüber und gehe dann die verbliebenen 40, 50 Kilometer zu Fuss. Aber probieren kann man’s ja mal, ein letzter Versuch, eine Furt zu finden und wenn’s nix wird wird eben das Fahrrad versenkt. Morgen wollte ich es sowieso verschenken.
Ca. 50 Meter kann ich zu Fuß gehen, dann steht mir das Wasser bis zu Hals und ich muss schwimmen.
Aber, ich muss feststellen dass Ortliebs auch hervorragend als Luftmatratze zu gebrauchen sind und Fahrräder eigentlich gar nicht so schlecht schwimmen. Zumindest anfangs, wenn noch Luft in den Rohren ist. Naja, vielleicht sind’s ja nur ein paar Meter, bis ich wieder stehen kann.
Ab in die Rückenlage und das auf der Ortlieb treibende Fahrrad hinterher gezogen. Allerdings läuft jetzt so langsam Wasser in sämtliche Lager und Rohre und das Rad kippt a la Titanic nach und nach mit dem Vorderrad ab. Also, da ist nix mehr zu machen, lieber mal schnell die Ortlieb abwerfen, bevor die mit runter gezogen wird. Ein letztes Aufbäumen, dann, blubblub, ist meine Titanic verschwunden.
Aber nicht ganz. Mit zwei Fingern kriege ich sie doch noch mal am Sattel zu fassen. Mal sehen wie lange ich das so halten kann. Rückenlage, die rechte Hand zieht die Ortlieb, mit der linken schleife ich das Rad 2 Meter unter mir durchs Meer. Und tatsächlich, nach gut 200 Meter Rückenlage stößt das Vorderrad wieder auf Grund, die letzten 50 Meter kann ich dann wieder stehen.
Bei der ganzen Aktion bin ich zwar gut einen Kilometer weit abgetrieben worden und ich bin fix und fertig, aber ab hier geht’s wieder fast hindernisfrei weiter.
Das Rad hat jetzt zwar keinen Tropfen Öl mehr im Leib und wiegt auch paar Kilo me(e)hr mit all dem Wasser in diversen Ecken und Kanten, hält aber problemlos durch bis zum planmäßigen Endpunkt, dem Touristennest Jericoacoara.
Da im nur aus Sand bestehenden Jericoacoara kein Mensch ein Fahrrad brauchen kann schleppe ich es im Bus mit zurück nach Fortaleza wo es jetzt dem 10-jährigen Sohn einer netten Hotelreinigungskraft gehört.
Und wenige Tage später gibt‘ für mich auch schon wieder Glühwein statt Caipi.
Und hier noch ein paar Bilder aus Ceara:

