Brasiliens Nordosten

Teil 1: Pernambuco (Nord)

Fahrradtour in Pernambuco

Nach meiner erlebnisreichen Tour entlang des Strandes von Recife nach Salvador geht es dieses Mal in die entgegengesetzte Richtung: von Recife aus nach Nordosten, in Richtung Ceará.

Und natürlich hat auch diese Tour wieder jede Menge Spaß gemacht!

Das Abenteuer beginnt bereits beim Fahrradkauf im altbewährten Supermercado „Bompreço“. Die nette Verkäuferin meint doch tatsächlich, dass sie mir für einen derart hochwertigen Artikel - das Rad kostet dieses Mal immerhin 70 Euro – unbedingt eine „Nota Fiscal“, also einen amtlichen Rechnungsbeleg, ausstellen müsse. Na gut, meinetwegen, wenn es denn sein muss. Nachdem sie unzählige Zettel vor sich ausgebreitet und den Bleistift gespitzt hat, erklärte sie mir, als allererstes brauche sie nun meine „CPF“. Toll! Versuche mal jemand einem Brasilianer, der diese Steuernummer ("Cadastro de Pessoa Física") von Geburt an auswendig weiß, zu erklären, dass es draußen in der großen, weiten Welt auch Menschen gibt, die KEINE CPF besitzen.

Und nein, einen Ausweis schleppe ich normalerweise auch nicht mit mir herum, wenn ich Fahrräder kaufen gehe. Was also tun? Das einzige halbwegs amtliche Dokument, das ich im Geldbeutel dabei hatte, war mein Gleitschirm-Versicherungsschein. Alte Südamerika-Kenner ahnen es bereits: Das Fahrrad gehört nunmehr einem gewissen „Senhor Versicherungsnachweis für Hangegleiter und Gleishirme“. Wobei „Versicherungsnachweis“ ausdrücklich als Vorname eingetragen wurde – und ich für den Rest des Verwaltungsaktes als „Senhor Gleishirmi“ hofiert wurde.

Gleich gegenüber dem Supermarkt investiere ich in einer Bicicletaria noch 5 Euro für einen Komplett-Kundendienst, und schon kann es losgehen.

Da ich wieder im südlichen Stadtteil Boa Viagem untergebracht bin und die Tour diesmal nach Norden führen soll, muss ich Recife zuerst einmal komplett durchqueren.

Das erweist sich zum Glück weniger schlimm als erwartet. Auf den ersten paar Kilometern gibt es einen Radweg an der Uferpromenade, danach geht es auf mehrspurigen Straßen durch die Innenstadt und das Hafenviertel. Oft ist ein brauchbarer Seitenstreifen vorhanden,wo man dem Verkehr einigermaßen aus dem Weg gehen kann. Nach einer Dreiviertelstunde habe ich den Vorort Olinda erreicht und kurz darauf geht es wieder an einer Uferpromenade weiter, bis hinaus auf die Halbinsel von Maria Farinha. Da mir dort die Autofähre vor der Nase wegfährt, lasse ich mich mit einem kleinen Ruderboot über den Rio Timbó ans Festland übersetzen

Als Nächstes hätte die wunderschöne Ilha de Itamaracá auf dem Plan stehen können. Man hätte sich wohl für ein paar Euro ein Boot chartern können, um überzusetzen, und wäre am anderen Ende der Insel sicher auch wieder irgendwie ans Festland zurückgekommen. Ich mache den dummen Fehler, die Landroute über Igarassu zu wählen: Fast 20 Kilometer auf der BR-101 – der absolute Horror! Kein Seitenstreifen, ein Lkw nach dem anderen, Dreck, Müll... Um meine Überlebenschancen zu steigern fahre bzw. schiebe ich neben der Straße durch die „Wiese", sprich über Müllberge und durch dornige Hecken.

Ein kleiner Trost für zukünftige Radler: Die Straße wird in diesem Abschnitt gerade auf vier Spuren samt Seitenstreifen erweitert.

Endlich geht es dann wieder auf einer ruhigen Nebenstraße weiter. An der Mündung des Rio Tracunhaém erreiche ich bereits die Grenze zu Paraiba. Die Fährüberfahrt hebe ich mir für morgen früh auf und gönne mir eine nette Pousade im kleinen Dörfchen Carne-de-Vaca.



--> weiter mit Teil 2: Paraíba




Click for more South American travelogues
South America Touring Links Collection of South America biking travelogues